2019-07-11 // 14:20 Uhr // Heilbronn // Von Bärbel Kistner

Als ob es nicht schon genügend Wasser auf der Buga gebe mit den zwei großen Seen und einem ganzen Neckar entlang des Geländes – jetzt schwimmt auch noch ein Stück des Flusses im Fruchtschuppen. 52 Kubikmeter Wasser hat die Feuerwehr aus dem Karlssee in die Ausstellungshalle gepumpt, für die aktuelle und sehr außergewöhnliche Blumenschau. „Guck“ mal, der Neckar schwimmt – randvoll“. Originell wie der Name ist die Umsetzung nach dem Konzept des Landschaftsarchitekten Professor Wolfgang Grillitsch und der Floristin Gabriele Haufe.

Barrierefreier Holzsteg führt mittendurch

Im Mittelpunkt steht die 350 Quadratmeter große Wasserlandschaft. Ein barrierefreier Holzsteg führt die Besucher in eine fantastisch arrangierte Pflanzenwelt: Dicke Rosensträuße und Gladiolen wachsen aus dem dunklen Neckarwasser, dazu Froschlöffel sowie der aus den Tropen stammende Wassersalat. Sogar fleischfressende Pflanzen warten in Zinkwannen auf Insekten. An den Uferbereichen sprießen Mädchenauge, Pampasgräser, Chinaschilf und Steppenlilien – Zierpflanzen, die in ihrer natürlichen Form in Flachwasserbereichen oder Sumpfgebieten wachsen.

Die einen fühlen sich im Fruchtschuppen wie im Urwald, die anderen erinnert die geheimnisvolle Szenerie an einen King-Kong-Film oder an Harry Potter, sagt Rüdiger Eckhardt, Ausstellungsbevollmächtigter der Bundesgartenschau. „Damit kriegt man auch die Jungen.“ Fachmann Eckhardt wird nicht müde zu betonen, wie wichtig die Blumenschauen für das Buga-Publikum sind – und wie sinnvoll ein häufiger Wechsel. Auch wenn manche Besucher darüber staunen, welch großer Aufwand für die maximal zwei Wochen dauernden Schauen betrieben wird.

Entdeckung der dritten Dimension

Die Neu-Ulmer Floristen Bernhard Weimer und Bernhard Thenmeyer haben die dritte Dimension der Halle entdeckt und Schnüre gespannt, die sich spinnwebengleich über die Wasserfläche ziehen. Eine technische Installation, versteckt in alten Bauernschränken, bringt Bewegung in das Arrangement, zieht unsichtbar an den weißen Fäden. Aus Lautsprechern kreischen Papageien und zwitschern Vögel. Am Grund des Teiches gurgelt und brodelt es. Aus alten Duschköpfen spritzt Wasser in alle Richtungen.

Flusswunder erschaffen

Wer die Geschichte dahinter verstehen will, muss die Tafel am Eingang lesen – extra für jede Blumenschau wird ein Text geschrieben. Demnach haben Wassergeister dafür gesorgt, dass am Neckar die Natur wieder das Ruder übernimmt – und haben sich über Bürokratie und uneinige Akteure hinwegsetzt. Die Geister gestalten ein neues Idyll am Fluss, verdecken die Bausünden und schaffen ein kleines Flusswunder.

Auch ohne die Geschichte spüren die Besucher: Wasser und eine grüne Umgebung sind eine große Wohltat. Ein paar erbauliche Sprüche gibt es obendrein: Bequemlichkeit tötet alle Fantasie; Öffne Deine Schubladen, lass“ Ungewohntes zu; „Unkräuter“ belassen, heißt Lebensqualität gewinnen, heißt es auf den kleinen Schildern entlang der Pflanzkisten. Sogar ein paar Hummeln haben die Natur im Fruchtschuppen entdeckt und sammeln dort Nektar an Glockenblumen.