2019-02-02 // 15:12:00 Uhr // Heilbronn // Von Bärbel Kistner

Jobs in der Grünpflege, beim Fahrradverleih oder bei Kurierdiensten: Über ein Pilotprojekt werden auf der Bundesgartenschau 15 reguläre Arbeitsplätze finanziert, um Menschen mit Behinderung auf den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten.

Im Fahrrad-Parkhaus, beim Einlass, an der Verleihstation für Rollatoren, Rollstühle und Bollerwagen oder bei der Pflege von Wegen und Grünflächen: Überall dort können während der Bundesgartenschau Menschen mit Behinderung zum Einsatz kommen. Ein Pilotprojekt wurde jetzt auf den Wege gebracht. Das Besondere daran: Es handelt sich um sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze.

Zum ersten Mal haben damit auf einer Bundesgartenschau Männer und Frauen mit Handicap die Möglichkeit, sich in einem richtigen, regulär bezahlten Job auszuprobieren. Damit sollen sie auch langfristig den Weg in den ersten Arbeitsmarkt finden.

Tariflohn ist garantiert

Bis zu 15 Personen sollen während der Buga in dem rund 80-köpfigen Team arbeiten. Bezahlt wird nach Tariflohn, „mindestens aber der Mindestlohn“, wie Buga-Prokurist und Ausstellungsleiter Oliver Toellner berichtet. Über das Budget für Arbeit aus dem Bundesteilhabegesetz bezuschussen Stadt- und Landkreis Heilbronn die Löhne zu 75 Prozent, mit einem Maximalbetrag von 1250 Euro, wie Sozialbürgermeisterin Agnes Christner erläutert.

Zwei Jobcoaches sollen die Mitarbeiter mit Handicap begleiten und unterstützen. „Bei der Großveranstaltung dabei zu sein, sich das zu trauen, das ist für die Menschen ein besonderer Anreiz“, sagt Christner. „Es ist ein herausforderndes Projekt“, lobt Susanne Hennig, Sozialdezernentin des Landkreises.

Projekt ist Experiment und Risiko

Weitere Projektpartner sind Lebenswerkstatt und Stiftung Lichtenstern sowie die Agentur für Arbeit. Sie haben in dieser Woche die Vereinbarung unterzeichnet. Für Oliver Toellner ist die Teilhabe von Menschen mit Behinderung ein gesamtgesellschaftliches Thema und darf deshalb auf der Buga auch nicht fehlen. Das Projekt sei Experiment und Risiko zugleich. „Die Buga ist ein Reallabor.“ Hemmschwellen und Vorurteile abbauen ist das Ziel. „Wir setzen auf langfristige Wirkung, auch über die Gartenschau hinaus.“

Warmer Start soll durch Training gelingen

Im Februar soll auf dem Gelände die Testphase für die bisher 13 Bewerber beginnen, damit beide Seiten herausfinden können, wer sich für welches Einsatzgebiet am ehesten eignet.

Die neuen Buga-Mitarbeiter kommen aus der Lebenswerkstatt und der Stiftung Lichtenstern. Aus der Werkstattarbeit heraus haben die Bewerber die Chance auf einen regulären Arbeitsplatz. Das biete den Menschen eine wertvolle Erfahrung, außerhalb des geschützten Bereiches einer Werkstatt zu arbeiten, freut sich der Geschäftsführende Vorstand der Lebenswerkstatt, Friedemann Manz. Das Vorabtraining sieht er als gute Voraussetzung, „damit sie nicht ins ganz kalte Wasser geschmissen werden und damit im April ein warmer Start gelingt“. Auch Manz hofft, dass die Mitarbeiter durch die Erfahrung auf der Buga auch danach eine Beschäftigung finden.

Dass die Mitarbeiter vorher Zeit bekommen, sich etwas zuzutrauen, das streicht Sibylle Leiß von der Stiftung Lichtenstern hervor. Ganz wesentlich für alle Projektpartner ist das Rückkehrrecht: Wer es nicht schafft, darf in die Werkstatt zurück.


Barrierefreie Buga

Inklusion war bei der Buga auch Teil der Planung. Barrierefreiheit wurde berücksichtigt bei Belägen auf Wegen, Zugängen zum Ufer, zu Hallen, Pavillons und Zelten. Auf einer 100 Quadratmeter großen Musterfläche sind verschiedene Baustoffe verlegt und können ausprobiert werden. Es gibt Führungen für gehörlose, hörgeschädigte, blinde und sehschwache Besucher und Spielgeräte für Rollstuhlfahrer. Auf der Homepage www.buga2019.de wird die Buga in Gebärdensprache und in einfacher Sprache erklärt.