2019-08-27 // 13:23 Uhr // Heilbronn // Von Bärbel Kistner

So vielfältig wie zu Zeiten der Buga wurde in Heilbronn noch nie über Architektur, Stadtentwicklung und Wohnen diskutiert und informiert. Wer an den Häusern der Stadtausstellung entlang spaziert, kann die Schautafeln lesen und sich ganz nebenbei mit Informationen zu den Gebäuden im Neckarbogen versorgen. Oder aber, man plant einen Stopp ein im Schaufenster Baukultur – einer Erdgeschossfläche im ersten Baufeld.

Darum geht es bei der Ausstellung

Dort läuft noch bis zum Ende der Buga am 6. Oktober die letzte von insgesamt drei Schauen unter dem Stichwort: „Zeitgemäß. Wohnen in Baden-Württemberg“, initiiert von der Architektenkammer. Wie geht bezahlbares Wohnen, wie werden Quartiere lebendig und Flächen kreativ genutzt?

Zu diesen Themen zeigt die Schau zahlreiche Beispiele vor dem Hintergrund einer bunter und vielfältiger werdenden Gesellschaft, die neue Wohnformen nötig macht. Ebenso zwingt die knapper werdende Siedlungsfläche zum Umdenken. „Wir wollen den Blick öffnen, für das, was an Ideen bei uns möglich ist“, beschreibt Christoph Herzog, Vorsitzender der regionalen Architektenkammer, das Ziel.


Wohnen in neuen Quartieren

Konstanz: Die Stadt setzt verbindliche Rahmenbedingungen für alle Entwicklungsflächen. Bei städtischen Grundstücken sind 50 Prozent für sozialen Wohnungsbau vorgesehen. Zudem soll der verbrauchte Platz pro Kopf reduziert werden. 

Tübingen: Aus der Industriebrache „Alte Weberei“ wurde ein Quartier für 800 Bewohner mit 100 Arbeitsplätzen und Infrastruktur. Die Stadt erwarb die Grundstücke und vermarktete sie zu Festpreisen, bevorzugt an Baugruppen.

Esslingen: In der Pliensauvorstadt wurden Gebäude aus den 50er Jahren mit Holz aufgestockt. Vorteile sind kurze Bauzeit und günstige Kosten.

Rheinfelden: Für zwei zehngeschossige Hochhäuser hat die Wohnbau Rheinfelden in einem bestehenden Quartier nur 80 Quadratmeter Fläche neu versiegelt.


Wohnen an besonderen Orten

Konstanz: An einer vielbefahrenen Bahntrasse entstanden 109 Wohnungen der städtischen Wohnbaugesellschaft für Familien, Senioren und Alleinerziehende. Zur Gleisseite hin liegen Küche und Bad.

Gutach/Südbaden: Im ländlichen Gebiet entstand ein Wohnhof als Mehrgenerationenhaus. Bauherren wurden in Form einer moderierten Baugruppe zusammengeführt, für verlässliche und günstige Baukosten.

Höhenschwand: Ein nicht mehr benötigtes Schulhaus wurde kreativ für Wohnraum umgenutzt.

Leutkirch: Auf einem Bauernhofgelände entstanden sechs Häuser mit Gemeinschaftsflächen.


Innerstädtisches Wohnen

In Stuttgart-Feuerbach hat die Robert-Bosch-Wohnungsgesellschaft in vier Gebäuden 44 durch kluge Grundrisse kostengünstige Wohnungen gebaut (10,50 Euro Miete/Quadratmeter).

Ulm: In Münsternähe entstand ein Vorzeigeprojekt mit 40 Wohnungen mit Senioren-WG und gefördertem Wohnraum. Kaltmiete 9,70 Euro (gefördert 6,30 Euro). Die Bodenvorratspolitik seit 125 Jahren ist die Grundlage, dass durch stadteigene Grundstücke und Vorkaufsrecht Flächen der Bodenspekulation entzogen wurden.


Wohnformen

In Burgrieden entstand ein Wohnpark als moderne Interpretation der traditionellen Großfamilie. Im altengerechten Wohnen achten Bewohner als „Caring Community“ aufeinander – für ein selbstbestimmtes Leben im Alter.

In Friedrichshafen gibt es Wohnen im Bauwagen.

Karlsruhe: Die Mieterinitiative Mika hat ehemalige Kasernengebäude vor dem Abriss gerettet, entstanden sind 88 soziale gebundene Wohnungen, unter anderem für Alters-WGs.


Bezahlbares Wohnen

Im Fair-Wohnen-Modell in Ludwigsburg entscheidet bei den 43 Wohnungen der Verdienst über den Mietpreis. Offenburg: Eine Baugenossenschaft hat für Mitglieder 48 Wohnungen errichtet für 7 Euro Miete.


Weitere Ausstellungen auf der Buga

Heilbronn – eine Stadt entwirft sich neu ist der Titel einer weiteren Buga-Ausstellung über Architektur im Gebäude „Grüne Ecke“ im hinteren Baufeld. Gezeigt werden der Planungs- und Entstehungsprozess des Neckarbogens, und wie es mit der Bebauung des neuen Stadtquartiers nach der Buga weitergeht. Vorgestellt werden auch Zukunftspark Wohlgelegen, Bildungscampus und Experimenta. Material-Labyrinth heißt die Schau im Gebäude am Neckaruferweg mit recycelten Produkten als Beitrag zur Ressourcenschonung (bis 6. Oktober).