2019-09-20 // 09:30 Uhr // Heilbronn // Von Kilian Krauth

Wengerter und Besucher ernten die Rebstöcke auf der Buga ab. Richtigen Wein dürfen die Wengerter daraus nicht machen. Eine Verwendung haben sie trotzdem.

Eigentlich wollten die Wein-Villa-Wengerter aus ihren Buga-Trauben tatsächlich einen richtigen Wein keltern. „Aber das Regierungspräsidium hat nicht mitgespielt“, bedauert Martin Heinrich. „Gegen diese Bürokratie ist man einfach machtlos. Jetzt dürfen wir halt nur Federweißen produzieren, der aber auf keinen Fall neuer Wein heißen darf.“

Heinrich hört angeblich den Amtsschimmel wiehern. Andreas Stutz pflichtet dem Kollegen bei. „Die pochen darauf, dass Wein rein rechtlich nur aus Trauben gemacht werden darf, die auf amtlich ausgewiesenen Lagen stammen.“ Bei den rund 1200 Reben auf der Buga sei dies nicht der Fall.

Der erfahrene Buga-Macher Hanspeter Faas wundert sich derweil, dass man 1983 auf der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) in München ohne Probleme habe Wein produzieren dürfen.

470 Kilogramm Trauben mit 92 Oechsle hängen am Rebstock

Die verschlungenen Wege des Amtsschimmels tun der guten Stimmung am Wein-Villa-Stand keinen Abbruch. Pünktlich zur richtigen Lese schneiden Wengerter in ihren Rebanlagen auf der Buga 470 Kilogramm Trauben mit 92 Oechsle vom Stock: Muskateller, Burgundersorten sowie Tafeltrauben wie Muskat Blanc und pilzwiderstandsfähige Rebsorten, die an den Steillagen neben der Kletterwand stehen.

Teils spontan, teils gezielt klinken sich Gartenschau-Besucher ein. Während Karl Frey aus Bad Wimpfen „lieber nur zuguckt, weil es mich interessiert“, berichtet der 81-jährige Karl Schlor, wie er schon seit gut 60 Jahren regelmäßig bei den Familien Frisch und Kircher in Weinsberg zur Schere greift. Er hat seine – übrigens von der Schwiegermutter geerbte – Schere mitgebracht. Für Quereinsteiger liegen 20 blitzblanke Scheren plus Eimer bereit.

Viele Erfahrungen und Trauben gesammelt

Rita und Willi Linsler aus Böckingen berichten, wie sie sogar mal in den Pergolen von Eppan in Südtirol beim „Wimmen“ dabei waren. „Das war ganz schön hart.“ Auch Heinz Barthel aus Heilbronn ist ein geübter Leser, „aus Spaß an der Freude, wegen der frischen Luft, aber auch wegen dem Vesper. Ein bisschen auch, um fit zu bleiben.“

Selbst auf seinem Wochenendstückle habe er Reben stehen, die allerdings stets von Vögeln geerntet würden. Auch die Buga-Rebanlagen wurden in den letzten Tagen von Besuchern etwas ausgedünnt. „Aber das war durchaus erwünscht“, erklärt Pressesprecherin Doris Keicher.

Steillagen bleiben erhalten

Schon bald nach der Lese – die Buga endet am 6. Oktober – müssen die Reben an der Wein-Villa der weiteren Überbauung des Stadtteils Neckarbogen weichen. Nur einige wenige sollen zur Erinnerung in Pflanzkübel versetzt werden. Die Steillagen an der Kletterwand bleiben indes erhalten und „wie ein öffentlicher Park“ vom Grünflächenamt gepflegt.