2019-09-19 // 12:39 Uhr // Heilbronn // Von Bärbel Kistner

Ein paar Quadratmeter Asphalt unterbrechen das satte Grün des Neckaruferparks – ein Überbleibsel der Kalistraße. Warum die Verlegung der Bundesstraße 39 weg vom Neckarufer die Buga überhaupt erst möglich gemacht hat.

 

Die Buga hat viele außergewöhnliche Ecken. Einer der Orte, an denen das Herz der Buga besonders laut pocht, ist auf den ersten Blick eher unscheinbar und leicht zu übersehen: Ein paar Quadratmeter Asphalt unterbrechen das satte Grün des Neckaruferparks.

Sie sind ein Überbleibsel der ehemaligen Kalistraße. Ganz bewusst haben die Planer das Stück Straße stehen gelassen, um zu zeigen, dass sich an dieser Stelle eine vierspurige Hauptverkehrsader befand: die Bundesstraße B39.

Durch den Verkehr war der Fluss aus dem Blickfeld gerückt

Besucher reiben sich bei Führungen stets verwundert die Augen. Kaum jemand kann sich heute noch vorstellen, dass bis vor zwei Jahren tagtäglich rund 30.000 Fahrzeuge über die Fahrbahnen donnerten – rund elf Millionen Fahrzeuge pro Jahr. Autofahrer hatten damals kaum wahrgenommen, dass die Kalistraße direkt am Neckar entlang führte. Durch den Verkehr war der Fluss aus dem Blickfeld gerückt.

Ohne Autos, Busse und Lastwagen ist das Stück Stadt nicht nur aufgewertet worden, sondern die Gestaltung hat für Oliver Toellner eine Selbstverständlichkeit. Als ob es dort genau so aussehen müsste. Die Straße ist vom Stadtplan ausradiert, als wäre sie niemals dagewesen. „Es ist eine geordnete Landschaft, ein geheilter Ort entstanden“, betont der Buga-Planer. Das Reststück sieht Toellner als Stolperstein, um das Projekt zu erden, damit die Menschen spüren können: „Wo kommen wir eigentlich her?“

Hamburg als abschreckendes Beispiel

Dass eine Stadt wie Heilbronn mit ihrer automobilen Vergangenheit den Schritt geschafft hat, eine Bundesstraße zu verlegen, gilt als eine wichtige Voraussetzung für die Buga: „Ohne den Straßenumbau wäre das Projekt Buga gescheitert“, sagt Toellner in der Rückschau.

Er erinnert sich an einen Besuch auf der Baustelle der Internationalen Gartenschau in Hamburg im Jahr 2011. Dort teilte eine Hauptverkehrsader, die Bundesstraße B4, den Wilhelmsburger Inselpark. „Damals war uns klar, wir müssen in Heilbronn unsere Bundesstraße aus dem Buga-Gelände herausbekommen.“

Voraussetzung, dass der Neckarbogen entstehen konnte

Die neue Standortqualität durch die Investitionen in die städtische Infrastruktur sind für den Grünplaner die Voraussetzung, damit das neue Stadtquartier Neckarbogen überhaupt entstehen konnte. „Wenn man das nicht anpackt, dann verlieren Städtebau und Architektur an Bedeutung.“ Dass es gelungen ist, liege auch an der Zusammenarbeit der Ämter, der Stadtplaner wie der Verkehrsplaner. „Das war eine neue Situation für Heilbronn.“

Toellner ist froh, dass man sich 2012 bei der Verlagerung der B39 gegen einen Straßenneubau entschieden hat – und stattdessen die Füger- und Weipertstraße genutzt hat. Die neue Bundesstraße wäre auf der anderen Neckarseite genau gegenüber des Parks verlaufen.

Bleibt das Stück Asphalt?

Das Stück Asphalt am Uferweg ist eine Installation der Buga – diese werden in der Regel wieder abgebaut. Nach der Gartenschau wird das gesamte Parkgelände, also auch der Neckaruferpark, an das städtische Grünflächenamt übergeben. „Dort wird entschieden, was mit dem Kalistraßen-Rest geschieht.“

Toellner würde sich wünschen, dass der Stolperstein als Erinnerungsort erhalten bleibt – und kann sich vorstellen, dass auch die Wand, etwa mit einem Foto von der Bürgerstuhl-Aktion beim Kalistraßen-Rückbau, nicht gleich nach der Buga abgenommen wird. „Das steht nicht in Konflikt mit der weiteren Nutzung.“ Denn für den Uferpark gibt es bereits Pläne zur Weiterentwicklung. Nach der Buga sollen dort noch Spielflächen für Kinder entstehen.