2019-10-02 // 12:59 Uhr // Heilbronn // Von Bärbel Kistner

Prominente Macher und Beobachter loben bei der Stimme-Lokaltour die Strahlkraft der Gartenschau. „Anstrengend und phänomenal“ – so fasst Stephanie Singer von der Alten Reederei die Buga-Zeit zusammen.

Akteure der Buga ziehen Bilanz bei der zweiten Stimme-Lokaltour spezial. Das lockt trotz herbstlicher Kühle zahlreiche buga-interessierte Zuhörer an die idyllische Fährlebühne. Wie haben Handwerk und Landkreis von der Gartenschau profitiert, was haben Gastronomen in den bald 173 Tagen erlebt, möchte Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer von seinen Gästen erfahren.

25 anstrengende Wochen

„Anstrengend und phänomenal“ war die Zeit für Stephanie Singer von der Alten Reederei, die froh ist, danach erstmal wieder „einen Gang runterzufahren“. Obwohl es in der ersten Zeit alles andere als rund lief, ist die Gastronomin von Voltino Catering längst „superhappy, dass wir es gemacht haben“.

Die Gastronomie stand vor allem am Anfang im Fokus der Kritik. Auch die Alte Reederei hat reagiert und nachgebessert: Zusätzliche Küchengeräte, Geschirr und Besteck wurden angeschafft, das Personal aufgestockt. „Man braucht ein Feeling für die Stoßzeiten.“ Trotzdem seien bei den Servicekräften, die Beschwerden von Gästen abbekommen haben, Tränen geflossen.

Bei Wassershow-Nacht flossen Tränen

Der 14. September mit der langen Nacht der Wasserspiele war für Singer „einer der schlimmsten Tage“, mit unendlichen Schlangen. „Wir waren mit unseren Kräften am Ende.“ Gut sei es gewesen, dass auch die Buga hinterher zugegeben habe, mit diesem Andrang nicht gerechnet zu haben.

„Wir haben die Anlaufschwierigkeiten gemeistert“, erklärt Christian Schmierer, bei der Buga für den Bereich zuständig. Das ebenso kritisierte Preisgefüge will er ins rechte Licht rücken: „Die Preise stehen in einem gutem Verhältnis.“ Es gebe Lokale in der Innenstadt, in denen das Hefeweizen günstiger zu haben sei als auf der Buga, aber es gehe auch teurer.

Buga zählt aus Gastro-Einnahmen

Ein Fakt, den manche nicht im Blick haben: Der Wirtschaftsplan sieht vor, dass „die Buga Einnahmen aus der Gastronomie generieren muss“, betont Schmierer. Die Höhe will er nicht preisgeben: „Wir sind noch nicht so weit, dass wir abschließend sagen können, wie viel die Buga eingenommen hat.“

Daniel Drautz, Chef des Buga- Stands der Wein-Villa, hat dagegen eine wichtige Zahl zu bieten: Rund 75 000 Liter Wein wurde ausgeschenkt. Das Angebot wechselt jeden Monat. Weil 16 Betriebe hinter der Wein-Villa stehen, konnte er auf einen großen Pool an Mitarbeitern zurückgreifen. Doch habe es auch Abende gegeben, an denen er Familienmitglieder, die als Besucher auf der Buga waren, kurzfristig um Unterstützung bat, weil so viel los war. Sein Fazit ist uneingeschränkt positiv, die Besucher der Lokaltour unterstützen die Einschätzung mit Applaus. „Die familiäre Stimmung hat auf die Gäste abgefärbt“, so Drautz.

Handwerk gelebt

„Wir haben hier Handwerk gelebt“, sagt Handwerkskammerpräsident Ulrich Bopp. 250 000 Euro war das Budget der Kammer. Im Pavillon und bei 100 Veranstaltungen habe sich die Branche präsentiert. Höhepunkte waren für ihn die Gesellenfreisprechung und der Tag des Handwerks. Mit Aktionen wie der Holzklötze-Wand der Schreinerinnung habe man das Besucherinteresse geweckt – und fürs Handwerk geworben. Bopp lobte die Gestaltung der Eintrittspreise. Weil Jugendliche unter 15 Jahren kostenlos die Buga besuchen konnten, gab es auch in der Altersgruppe möglicher künftiger Azubis viele Besucher.

Tourismus profitiert

Es sei gelungen, „Perlen des Landkreises zu präsentieren, um touristisch Interessierte zu überzeugen“, sagt Landrat Detlef Piepenburg. Auf der Buga ausgegebene Prospekte seien nicht, wie auf Tourismusmessen häufig der Fall, im Papierkorb gelandet. Piepenburg geht davon aus, dass sich der Zuspruch auch in den Übernachtungszahlen zeigen werde. Seine Bilanz: „Die Gäste von weither waren überrascht, was der Landkreis zu bieten hat, und die Besucher von hier haben sich wiedergefunden.“ 500.000 Euro habe man für den Buga-Auftritt gebraucht, die der Kreistag bewilligt hatte. „Das war es allemal wert.“