2018-01-25 15:52:00 // Heilbronn  //  Von Bärbel Kistner

Die beiden Buga-Pavillons auf der Sommerinsel stehen für die Architektur der Zukunft. Jetzt wurden die Pläne für die jeweils 500 Quadratmeter großen und hochinnovativen Konstruktionen präsentiert.

Gartenthemen und Zukunftsthemen parallel zu spielen, ist für Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas ein spannendes Experiment. Perfekt zu diesem Anspruch passen die zwei Pavillons auf der Sommerinsel zwischen den beiden Seen: hochinnovative Leichtbaukonstruktionen, die zwei Institute der Universität Stuttgart für die Buga in Heilbronn entwickeln − komplett digital geplant und gefertigt. „Architektonische Spitzenforschung“, sagt Faas.

Jeweils 500 Quadratmeter groß, stehen die beiden Pavillons für die Zukunft des Entwerfens und Bauens: mit leichteren, leistungsfähigen Konstruktionen und weniger Materialeinsatz, sagt Professor Achim Menges, Leiter des Instituts für computerbasiertes Entwerfen und Baufertigung.

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Bei einen Pavillon wird mit dem Werkstoff Holz das älteste Baumaterial in neuer Verarbeitung genutzt. Für den zweiten werden Glas- und Carbonfasern zusammengewickelt − das ermöglicht eine innovative Tragform und eine extrem leichte Konstruktion. „Das hat noch kein anderer so gemacht“, erklärt Professor Jan Knippers, Leiter des Instituts für Tragkonstruktionen und konstruktives Entwerfen.

Das Prinzip der Bionik − Phänomene der Natur auf technische Konstruktionen zu übertragen − kommt zum Einsatz. Beim aus 400 eckigen Segmenten zusammengefügten Holzpavillon orientieren sich die Planer an der Hülle eines Seeigels . Vorbild für die Teile des Faserpavillons ist der Flügel eines Käfers, der leicht und robust zugleich sein muss. Die Bionik ist für die Architekten dabei ein „Kreativitätswerkzeug“, wie Achim Menges betont. „Wir wollen nicht die Natur nachbauen.“

Das wesentlich Neue an der Arbeitsweise der Stuttgarter Planer ist die Digitalisierung. In Verbindung mit den digitalen Planungs-, Simulations- und Fertigungsverfahren sollen völlig neue Konstruktionsformen für die Architektur entstehen. „Die Planer und der Rechner kommen zu neuen Lösungen.“

Mit 2,3 Millionen Euro werden die Pavillons vom Land Baden-Württemberg finanziert, das dort auf der Buga Präsenz zeigt. Es sei gelungen, die Idee in die Politik zu tragen, freut sich Faas. „Ohne das Zutun des Landes wäre das Projekt nicht zustande gekommen.“ Innenminister Thomas Strobl habe gespürt, dass sich das Land dort mit seiner Holzbautradition und dem Thema Innovation präsentieren könne.

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Im Glasfaserpavillon will das Land die Möglichkeiten der Digitalisierung bei der Stadtentwicklung zeigen. Im Holzpavillon wird ein Teil der Holzbau-Ausstellung zu sehen sein. Der Bau ist auch Ort für Konzerte und Sonnenunterstand oder Regenschutz, wenn keine Veranstaltungen stattfinden, informiert Ausstellungsleiter Oliver Toellner − er hatte sich besonders für die Pavillons stark gemacht.

Bleiben können die beiden Highlights der Buga nicht auf dem Gartenschaugelände. Sie stehen auf einem begehrten Areal, das nach 2019 bebaut werden soll. „Die Pavillons sollen aber weiterverwendet werden“, sagt Faas. Achim Menges und Jan Knippers versichern, dass die Bauten so konstruiert sind, dass eine Nachnutzung möglich ist.