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Busreisende zur Buga verzichten auf Innenstadt-Besuch in Heilbronn

2019-02-01 // 20:15:00 Uhr // Heilbronn // Von Bärbel Kistner

 Einmal Buga und gleich wieder weg: Viele Busreiseveranstalter steuern Heilbronn nur zum Besuch der Bundesgartenschau an. Aber die Gäste wohnen in weiter entfernt liegenden Hotels und nutzen andere Reiseziele.

Drei mehrtägige Reisen mit Besuch der Bundesgartenschau hat Eberhardt-Travel aus Dresden im Angebot: für normales Publikum, für Singles und für Rollstuhlfahrer. Bei allen gleicht sich das Heilbronn-Programm. Morgens Anreise zur Buga, am Nachmittag dann wieder weg, ein Besuch der Innenstadt ist nicht vorgesehen.

Übernachtet wird fernab der Käthchenstadt. Die Singles schlafen während der sechstägigen Reise in einem Hotel im Nordschwarzwald und fahren zum Kloster Maulbronn und nach Ludwigsburg. Die barrierefrei Reisenden logieren in Pforzheim, die anderen in Stuttgart.

Kein Hotel in Heilbronn

Warum sie die längere Anreise in kauf nehmen, wird auf Anfrage schnell klar: Man habe in Heilbronn und Umgebung für die Busgruppen kein Hotel gefunden, heißt es in Dresden: „Die einen waren ausgebucht, die, die frei waren haben Preise verlangt, die wir nicht bezahlen wollten“, berichtet eine Mitarbeiterin von Eberhardt-Travel. Einen Heilbronn-Besuch hätten sie deshalb gar nicht eingeplant, zwei Mal von ihrer Unterkunft aus in die Stadt zu fahren ergebe keinen Sinn, zumal „uns in Dresden Heilbronn als Touristenort nicht bekannt ist“.

Ein Blick in die Angebote quer durch die Republik ergibt ein ähnliches Bild. Ein paar Beispiele: Sachsen-Anhalt-Tours aus Halle an der Saale lässt seine Busgäste in Wiesloch nächtigen und fährt außer zur Buga noch nach Darmstadt, Frankfurt und Bad Nauheim. Leitner Touristik aus dem fränkischen Allersberg bleibt vier Stunden auf der Buga, dann fährt der Bus in ein Hotel im Schwarzwald. Das Reisebüro Belitz steuert von einem Stuttgarter Hotel nach dem Buga-Besuch immerhin auch am zweiten Tag die Region an und bietet eine Wein-Rundfahrt im Heilbronner Land. Für die Heilbronner City bleibt keine Zeit.

Hotels zu teuer für Reisegruppen

Für Steffen Schoch, Geschäftsführer der Heilbronn Marketing (HMG), ist das nicht überraschend. Ihm ist bewusst, dass ein Großteil der Heilbronner Hotels keine Reisegruppen aufnehmen kann – oder will. Bei Busgruppen mit 40 bis 50 Reisenden liegt das Budget für eine Übernachtung bei unter 40 Euro pro Person. „Da lacht in Heilbronn jeder drüber.“ Schoch wirft zum Beweis einen Blick auf ein Buchungsportal im Internet. Das günstigste Zimmer an einem Montagabend kostet 108 Euro – in einem Gasthof im Stadtteil Frankenbach. Ein Hotel in Bahnhofsnähe verlangt 238 Euro.

Auch sogenannte Paketer – Zwischenhändler, die Hotelkontigente für Reiseveranstalter kaufen – weichen oft auf Hotels fernab von Heilbronn aus. Denn andernorts wurde ein Hotelmarkt für Busgruppen aufgebaut. Von dort aus werden die Ausflugsziele angefahren.

Überdurchschnittliches hohes Preisniveau

„Heilbronn liegt bei Hotelpreisen über dem Schnitt“, sagt André Harner von „Get your Group“ aus Kehl, der Reisepakete für Busunternehmer schnürt. Das schrecke manchen ab. Ein Anruf in einem Zwei-Sterne-Hotel in der Heilbronner Innenstadt bestätigt die Erfahrung des Paketers, zumindest für Montag bis Donnerstag. „Da liegen die Preise weit höher als man das für eine Stadt wie Heilbronn erwarten würde“, sagt eine Mitarbeitern. Zum Wochenende hin stünden viele Hotels leer. Einige Gruppenreisen mit Übernachtung in Heilbronn und Gelegenheit zur Stadtführung konnte André Harner dennoch unterbringen. „Die Buga zieht.“

Doch ohne die Gartenschau wäre Heilbronn „sehr, sehr schwierig zu vermarkten“, sagt der Tourismus-Experte. 2018 hatte er noch keine Angebote verkaufen können. Doch für das Jahr nach der Buga erwartet er, dass Heilbronn als Reiseziel mehr in den Fokus rückt, auch wegen der neuen Experimenta.

Werben für Heilbronn

„Wir müssen Heilbronn in der Zukunft auf die Reiselandkarte bekommen“, das ist das Bestreben von HMG-Chef Schoch. Die nahe Zukunft sieht er realistisch und hat wenig Erwartungen bezüglich der Mehrheit der Buga-Busreisenden, die den Nordeingang am Wohlgelegen nutzen. Von dieser eher betagten Besuchergruppe habe kaum noch jemand die Kraft für eine große Runde in die Innenstadt.

Doch Schoch ist Optimist. Er setzt auf Gästeführer bei der Bundesgartenschau. Sie sollen die Buga-Gäste für Heilbronn begeistern und dazu animieren, 2020 wiederzukommen. Schoch: „Dass die von der HMG ausgebildeten Gasteführer bei der Buga im Einsatz sind, ist für Heilbronn ein Riesenvorteil.“

2019-02-04T12:01:38+02:00