2019-09-02 // 12:05 Uhr // Heilbronn // Von Stefanie Pfäffle

„Haben Sie Interesse an einer Führung?“ Cornelia Bär-Stoll spricht die Passanten direkt an, die am Samstagnachmittag vor dem Kinderhaus auf der Buga Halt machen. 16 von ihnen sind genau deswegen hier. Sie wollen sich eine Kita der Zukunft anschauen, die in der Gegenwart bereits besteht. Seit Oktober ist die Kindertagesstätte Neckarbogen in Betrieb und unter der Woche tobt hier über vier Stockwerke hinweg der Bär. Am Wochenende können die Buga-Besucher die Kita bei Führungen besichtigen.

Helles Holz empfängt im Foyer. In dem fünfstöckigen Hybridhaus – ganz oben befinden sich fünf Mietwohnungen – wurde überwiegend Naturmaterial verbaut. Das unbehandelte Holz schafft nicht nur eine warme Atmosphäre, sondern auch eine großartige Akustik, wie eine der Besucherinnen bemerkt. „Der Lärm steigt nicht ins Unermessliche“, weiß Bär-Stoll, die zwar in Altersteilzeit ist, aber als Gesamtleiterin der Kindertagesstätten der Stadt das Konzept mitentwickelt hat.

Ganztageseinrichtung für 80 Kinder

Hier ist Platz für 80 Kinder, derzeit sind es 46, von ihnen gehen 15 in die Krippe. Es ist eine Ganztagseinrichtung, von sieben bis 18 Uhr dem Nachwuchs berufstätiger Eltern vorbehalten. Ein Teil der Plätze ist für Mitarbeiter von Lidl reserviert.

Während der U3-Bereich im Erdgeschoss getrennt ist, beleben die Ü3-Kinder das komplette Haus, denn die Kita arbeitet mit einem offenen Konzept. „Sie entscheiden selbst, ob sie zum Beispiel ins Atelier oder in das Zimmer für Rollenspiele wollen“, erklärt Cornelia Bär-Stoll. In jedem Stockwerk findet sich ein Ansprechpartner.

Kindgerechte Lernpläne

Die Bezugserzieher, derzeit arbeiten hier 16 Fachkräfte im Drei-Schicht-Betrieb, führen Elterngespräche und entwickeln individuelle Bildungsimpulse. Eine Besucherin kann sich das nicht so richtig vorstellen. „Wenn Sie drei Jungs, die immer nur Fußball spielen wollen, sagen, geht mal malen, dann ist der erste damit nach fünf Minuten fertig“, versucht Bär-Stoll zu erklären.

Kinder haben unterschiedliche Interessen, entwickeln sich individuell und nur wenn man das berücksichtige, lernen sie auch nachhaltig. „Alternativ sagt der Erzieher also, wir planen einen Ausflug nach Hoffenheim, dafür müssen die Kinder Pläne malen, überlegen, was man alles braucht, kommen mit Fahrplänen an und so bekommt man alle Lernziele in ein Projekt.“

„Da möchte man noch mal Kind sein“

Im Erdgeschoss wird jeden Tag frisch gekocht, die Kinder essen in festen Gruppen nacheinander. Noch sind die Wände kahl. „Wir wollten bewusst, dass das gemeinsam mit den Kindern entwickelt wird und die Kita befindet sich ja noch im Aufbau“, betont Bär-Stoll. Im Atelier stehen schon Bilder auf Staffeleien.

Das Treppenhaus ist zum Spielen gedacht. Zwischen den Stockwerken gibt es eine Rutsche und eine Kletterlandschaft. Bällebad, Kletterwand und Maltisch laden zu Aktivität, wenn das Wetter es nicht zulässt, den schönen Garten zu nutzen. Die Besucher sind begeistert. „Da möchte man noch mal Kind sein“, findet eine, während eine andere den hohen Wohlfühlcharakter hervorhebt. Dass das dann auch noch ab drei Jahren kostenlos ist, beeindruckt erst recht.