Gesang und Theater verbinden

2019-02-27 // 18:33:00 Uhr // Heilbronn // Von Marie-Luise Schächtele

Der Kammerchor des Mönchsee-Gymnasiums kooperiert mit der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Am 25. und 26. Mai sowie dem 29. und 30. Juni wird das Spiel auf dem Bundesgartenschau-Gelände aufgeführt.

Das Ende der Kindheit, die ersten Schritte auf dem Weg zum Erwachsenwerden: Um Freundschaft und Liebe, Neugierde und Flucht, Nähe und Enttäuschung geht es im Musiktheaterstück „In den Gärten“ des Bamberger Komponisten Jochen Neurath. Das Spiel ist Teil einer Kooperation des Kammerchors des Mönchsee-Gymnasiums mit der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Außerdem proben Studierende aus dem fünften Semester des Fachs Musiktheater-Regie mit dem Chor die Oper „Orpheus und Eurydike“ von Christoph Willibald Gluck.

Es war harte Arbeit, auch wenn die Schüler großen Spaß an der Herausforderung hatten. Von Freitag bis Samstag studierte der Hamburger Regisseur Frank Düwel mit dem Kammerchor bei einem Workshop in der Alten Kelter in Heilbronn das Spiel „In den Gärten“ ein. Schon seit einem Jahr entwickelt Düwel mit Neurath das zwanzigminütige Musiktheaterstück, das Neurath eigens zur Buga und bewusst für den aus 46 Schülern der Klassenstufen neun bis zwölf bestehenden Chor komponierte. „Viele Telefonate gingen zwischen Hamburg, Bamberg und Heilbronn hin und her“, erzählt Chorleiter Claus Hutschenreuther. An einem Wochenende im Herbst begannen die Schüler mit den Proben.

Lernen, sich aufeinander einzulassen

„Da ging es darum, sich aufeinander einzulassen und kennenzulernen“, sagt Neurath. Jetzt, beim Workshop singen die Schüler auswendig und sind für die szenische Darstellung bereit. Am ersten Tag studierten sie die einzelnen Teile ein. An diesem Tag proben sie den ganzen Ablauf. „Die Jugendlichen können Dinge aus ihrem unmittelbaren Erfahrungsschatz einbringen“, stellt Neurath fest.

In einer Szene des Stücks verteilen sich alle Sänger im Raum, immer zwei stehen sich gegenüber. Sie strecken ihre Arme nach dem anderen aus und fassen sich an den Händen, aber sie wahren Distanz. Regisseur Frank Düwel gibt Anweisungen. „Schaut euch an“, sagt er. Die Schüler blicken sich an, halten dem Augenkontakt stand. „Jetzt müsst ihr aus der Anspannung in die Handlung“, sagt Düwel. Alle heben die Arme, beginnen zu tanzen, fröhlich und verspielt. Plötzlich stimmen sie in einen choralhaften Gesang ein. „Der Grund des Singens ist ein fragiler Moment der Beziehung, ihr erkennt euch im anderen“, erklärt Düwel. Komponist Jochen Neurath begleitet die Sänger am Klavier.

Die eigenen Erfahrungen ins Musiktheaterstück einbringen

„Das Spielen kostet an manchen Stellen Überwindung“, sagt Moritz Link, der in die zwölfte Klasse geht. Auch Elftklässlerin Hannah Bürgy sagt: „Man muss sich beherrschen, wenn man sich sekundenlang in die Augen guckt.“ Doch allen im Chor geht es ähnlich. „Es ist leichter, weil alle mitmachen. Die anderen haben Verständnis, wenn man auch mal lachen muss“, sagt Manuela Waible (16). Dass man sich nicht traue, gebe es in ihrem Chor nicht.

Die Schüler sind konzentriert bei der Sache. Auch wenn es nicht einfach sei, „direkt umzusetzen, was gesagt wird“, sagt Moritz Link. Umgekehrt besteht die Schwierigkeit des Regisseurs darin, „alle einzelnen Charaktere aufzunehmen und mit der Gruppendynamik umzugehen, die sich entwickelt“, sagt Regiestudentin Daniela Victoria Kiesewetter. Mitte Mai probt Düwel mit dem Chor die Feinheiten.

Proben mit einem Bläserensemble aus Mölln

Noch im Mai kommt ein Bläserensemble des Marion-Dönhoff-Gymnasiums Mölln nach Heilbronn, das beim Projekt mitspielt. Am 25. und 26. Mai sowie dem 29. und 30. Juni wird das Spiel jeweils viermal an unterschiedlichen Plätzen auf dem Bundesgartenschau-Gelände aufgeführt. Im Juni findet ein zweiter Workshop-Teil in Hamburg statt. Dann folgen neben den Auftritten auf der Buga auch Aufführungen in Hamburg und auf dem Festival „Kultursommer am Kanal“ im Kurpark Mölln.

2019-03-04T14:47:44+01:00