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Hat die Buga einen Trend verpasst?

2019-01-31 // 8:50:00 Uhr // Heilbronn // Von Jürgen Kümmerle

Urlaub mit dem Wohnmobil oder dem Wohnwagen boomt: Die Branche wächst Jahr für Jahr. 25 Stellplätze für Camper gibt es aktuell in der Stadt Heilbronn, 20 sollen hinzukommen. Während der Bundesgartenschau könnte der Platz knapp werden.

Campen boomt. Die Branche wächst von Jahr zu Jahr. Und damit auch die Zahl der Campingenthusiasten im Land. Es ist damit zu rechnen, dass dieser Trend auf die Bundesgartenschau (Buga) in Heilbronn abstrahlen wird. Mit rund 2,2 Millionen Besuchen rechnen die Buga-Macher, erklärt Pressesprecherin Suse Bucher-Pinell.

Wie viele einzelne Menschen zur Buga kommen, ließe sich daraus nicht entnehmen. Erhebungen, mit wie viel Camping-Touristen man rechnet, gebe es nicht. Bucher-Pinell betont: „Wir haben die Camper im Blick. Wir wissen, dass diese Art des Reisens immer beliebter wird.“

Wer sich auf der Internetseite der Buga über Wohnmobilstellplätze während des in 76 Tagen beginnenden Großereignisses informieren möchte, wird auf die Internetseite Heilbronner Land der Touristikgemeinschaft des Stadt- und Landkreises Heilbronn verwiesen. „Wir sind eng vernetzt mit der Region. Wir wollen damit auch auf die Möglichkeiten, die es im Umkreis gibt, hinweisen“, sagt Bucher-Pinell. Auf der Internetseite werden Campinginteressierte, die in Heilbronn übernachten möchten, auf 20 Stellplätze am Heilbronner Wertwiesenpark gelotst. Fünf Plätze bietet die Genossenschaftskellerei in Heilbronn an.

Stellplätze sind in Planung

Für die Gartenschau-Zeit sind auf der Theresienwiese weitere 20 Stellplätze in Planung, erklärt Bucher-Pinell. „Begrenzt und temporär“ heißt es auf der Internetseite. „Temporär bedeutet, dass es die Stellplätze nur während der Buga geben wird. Begrenzt ist die Zahl auf 20 Stellplätzen. Da sind wir aber flexibel und können auf den Bedarf reagieren.“

Den scheint es zu geben. Sehr viele Reisemobilisten haben sich am Buga-Stand auf der Tourismusmesse CMT in Stuttgart über Stellplatzmöglichkeiten in Heilbronn informiert, erklärt Bucher-Pinell. Deshalb wolle man für sie den zusätzlichen Platz auf der Theresienwiese schaffen.

Strom, Wasser und Entleerungsstationen für Bordtoiletten sollen gebaut werden. Wann? „Wir sind da dran, wir planen und realisieren das.“ Zehn Euro koste der Platz pro Tag. Über einen Münzautomaten sollen Camper mit Strom und Wasser versorgt werden. Eine Reservierungsmöglichkeit gibt es noch nicht. Sie soll im Frühjahr kommen.

Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel

Von einem solchen Service dürfte Viktoria Groß vom Camping-Club Deutschland gerne hören. Der Club vertritt Interessen der Campingurlauber in Deutschland. Wichtige Kriterien für Camper seien Stellplätze in Innenstadtnähe. „Das Problem ist oft, dass auf solchen Stellplätzen Wohnwagen nicht akzeptiert werden.“ Campingplätze im näheren Umkreis mit Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel seien deshalb wichtig. „Viele Camper haben Fahrräder dabei. Für die sind 15 Kilometer Entfernung nicht die Welt.“

Die Internetseite Heilbronner Land weist auf Stellplätze im Landkreis Heilbronn hin. Weinsberg, Nordheim, Lauffen, Schwaigern, Eppingen und Bad Rappenau sind aufgeführt. Außerdem ist der Campingplatz am Breitenauer See in Löwenstein zu finden. Von dort sind die Gäste in etwa 45 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln am Hauptbahnhof Heilbronn. Eine Möglichkeit, um Reisemobilisten an die Gartenschau zu binden, sei eine Kooperation mit Campingplätzen, erklärt Viktoria Groß.

Was bei der Landesgartenschau in Öhringen besser klappte

Auf dem Platz am Breitenauer See gibt es Buga-Karten. „Um die haben wir uns selbst gekümmert. Seitens der Buga ist niemand auf uns zugekommen“, sagt Camping-Park-Verwalter Klaus Schmitt. Das sei bei der Landesgartenschau in Öhringen besser gewesen. Reservierungen über die Buga-Zeit hätten zugenommen. „Eine Gruppe von 30 Engländern hat für zwei Wochen bei uns gebucht und Essen bestellt.“

 


Die Branche wächst und wächst

Die deutsche Caravaningbranche setzte im vergangenen Jahr über elf Milliarden Euro um und erreichte das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um über neun Prozent, teilt der Caravaning Industrie Verband mit. Die Branche schloss das fünfte Jahr in Folge mit neuem Bestwert ab und rechnet weiter mit Wachstum. Nach Angaben des Online-Statistikportals Destatis steigt die Zahl der Campingplätze in Deutschland seit 1991 kontinuierlich.


 

Kommentar: Im Blick haben

Von Jürgen Kümmerle

76 Tage sind es noch bis zu dem Großereignis in Heilbronn. Und es scheint, als seien noch Hausaufgaben zu erledigen. Eine davon ist das Thema Camper, die, danach sieht es aus, zahlreich zur Bundesgartenschau (Buga) kommen werden. Erfahrungen von der Tourismus-Messe CMT inStuttgart sprechen dafür. Doch sind die Macher, ist Heilbronn darauf vorbereitet?

Mit den bisherigen Angeboten in der Stadt vermutlich nicht. Deshalb ist es gut, dass auf der Theresienwiese Stellplätze gebaut werden sollen. Das schickste Plätzchen ist es nicht. Wird es eine schöne, gelungene Buga, tröstet das über den Makel hinweg. Die Planer sollten Camper nicht außer Acht lassen. Auch wenn sie nicht die Mehrheit bilden. Auf dem Stellplatz am Wertwiesenpark beispielsweise sind Wohnmobile willkommen. Wohnwagen nicht.

Camper sind Naturliebhaber. Sie entdecken gerne Neues und sind aufgeschlossen. Sie sind Multiplikatoren, kommen rum und sind somit ideale, kostenlose Botschafter der Buga. Dafür muss man ihnen aber das Gefühl geben, dass sie willkommen sind. 76 Tage sind es noch. Das ist nicht mehr viel Zeit, um diese Zielgruppe zu gewinnen. Verpasst hat man die Chance, Campingplatzbetreiber mit ins Buga-Boot zu nehmen. Gemeinsam mit ihnen hätte man mehr aus dem Thema Caravaning für die Buga rausholen können.

2019-01-31T09:16:50+02:00