Heilbronner Buga-Film feiert Premiere

2018-10-08 11:33:00 Uhr // Heilbronn // Von Kilian Krauth

Mitte Oktober feiert er in Berlin die offizielle Premiere. Bei der „Langen Nacht der Kultur“ in Heilbronn gab es die Preview im Arthaus-Kino.

 

Man könnte sich fragen, ob das städtische Baudezernat nicht zu kurz kam. Die Heilbronn-Marketing GmbH (HMG) dürfte den Tourismus-Faktor vermissen. Kulturfreaks hatten eine Art Spielfilm erwartet. Und: Der Titel, „Heilbronn – Eine Stadt entwirft sich neu“ verspricht eigentlich mehr, als er hält, denn der Streifen dreht sich in erster Linie um den Stadtteil Neckarbogen und die Bundesgartenschau 2019, nicht aber um die Gesamtstadt.

Man könnte sich auch darüber lustig machen, dass sowohl Oberbürgermeister Harry Mergel als auch Buga-Chef Hanspeter Faas bei der Vorpremiere im Arthaus-Kino das Wörtchen „entwirft“ aus Versehen durch „erfindet“ ersetzt haben. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass der OB dem geladenen Polit-Publikum zum x-ten Mal die allseits bekannten fünf Leuchtturmprojekte der Stadt vor Augen führte und Faas sich als bescheidener Talkshow-Moderator entpuppte.

 

Virtuos gemacht und wirklich gelungen

Anhand solcher Kritikpunkte könnte man die Vorpremiere im Rahmen der „Langen Nacht der Kultur“ zerreißen. Man könnte aber auch sagen: Wow, dieser 25-minütigen Dokumentarfilm ist wirklich gelungen: Weil er technisch perfekt gemacht ist, weil er virtuos mit historischen Bildern, aktuellen Plänen und atemberaubenden Drohnen-Luftbildern und wunderbaren Eindrücken vom Neckarbogen spielt. Und weil er zusammen mit ebenso sympathischen wie eloquenten und sachkundigen Menschen eine spannende Geschichte erzählt.

Es ist die Geschichte des Neckarbogens, einem heute 40 Hektar umfassenden Stadtteil, der mit dem Aufstieg Heilbronns zum schwäbischen Liverpool Mitte des 19. Jahrhunderts zum Hafen- und Gewerbegebiet wurde, nach dem Zweiten Weltkrieg aber zusehends zur Industriebrache verkam – um heute wie Phönix aus der Asche neue Maßstäbe in der Stadtentwicklung zu setzen. Angefangen von einer breit angelegten Bürgerbeteiligung über hochambitionierte Wettbewerbe für die Rahmenplanung und die zunächst 22 Wohngebäude bis hin zur Grundidee, die nach der Buga 2019 auf die Gesamtstadt überspringen soll: nämlich die Grundidee vom nachhaltigen Bauen, die sowohl architektonische, ökologische, ökonomische, technologische, sozial-integrative und Aspekte der Mobilität unter ein Dach zu bringen versucht.

 

Dauerausstellung während der Gartenschau 2019

 

Man darf gespannt sein, wie dieser Film und seine Botschaft bei seiner eigentlichen Premiere ankommt: am 19. Oktober wird er im Berliner Architekturforum Aedes eine Ausstellung eröffnen, die dann 2019 während der Buga im Gebäude „Grüne Ecke“ die Geschichte des Neckarbogen aufzeigt.

Hellauf begeistert jedenfalls zeigten sich bei der Preview im Arthaus allen voran „Hauptdarsteller“ wie die Buga-Mitarbeiter Barbara Brakenhoff, Jan Fries und Oliver Toellner, aber auch Interviewpartner wie die beobachtende Bürgerin Melanie Utz, Architektin Ellen Schneider-Kohler und die ausgesprochen erfrischende ehemalige Jugendgemeinderätin Rita Agirman.

2018-10-23T11:04:16+00:00