Jede Fläche mit Blumen hilft den Insekten

2019-03-12 // 17:15:00 Uhr // Region // Von Simon Gajer

Der Naturpark Stromberg-Heuchelberg startet mit Informationsveranstaltung ein besonderes Projekt. Schon jetzt engagieren sich Kommunen für die Tiere.

Überall kann es blühen, überall können Insekten davon profitieren. Viel Platz braucht das nicht. Dieses Ziel will der Naturpark Stromberg-Heuchelberg erreichen, der Gemeinden, Firmen, Kirchengemeinden und Privatpersonen diesen Freitag mit einem speziellen Informationstag ermutigen will, mehr Wildblumen anzupflanzen. Auch die Bundesgartenschau in Heilbronn tut einiges für Insekten. Kommunen engagieren sich ebenfalls, um den Tieren Nahrung zu bieten.

Betriebe können Gelände aufwerten

Dietmar Gretter sieht es immer wieder, wenn er als Geschäftsführer des Naturparks Stromberg-Heuchelberg zur Arbeit fährt. Unterwegs passiert er ein Firmengelände, bei dem die Raucher im Freien stehen – nur an einer Wiese. Das müsste doch nicht sein, findet er. Dietmar Gretter wirbt dafür, mehr Blumenwiesen anzulegen.

Davon profitieren am Ende die Insekten. Mit dem Beispiel des Gewerbetreibenden zeigt der Geschäftsführer auf, dass an vielen Stellen etwas getan werden könnte. „Die Unternehmen können sich engagieren, ohne dass es ihnen wirtschaftlich wehtut.“ Das Gegenteil sei sogar der Fall. Der Rasen müsse mehrmals im Jahr gemäht werden, eine Blumenwiese nur zwei Mal. „Man spart sich den Pflegeaufwand.“ Hinzu kommt noch etwas fürs Auge: „Es trägt dazu bei, das Firmengelände attraktiver zu gestalten.“

Von Vorteilen bei den Privatpersonen

Es kann ein mühsamer Weg sein, die Menschen und Betriebe für Blumenwiesen zu gewinnen. Dietmar Gretter kennt die Vorbehalte: Wenn im Vorgarten heimische Wildblumen wachsen, sehe das Grundstück doch gleich ungepflegt aus. Gretter hofft, die Menschen zum Mitmachen zu gewinnen.

„Selbst auf kleinen Flächen gibt es Möglichkeiten“, wirbt er dafür, wenigstens einen überschaubaren Bereich umzuwidmen. Das gilt übrigens auch für Bewohner in Mehrfamilienhäusern, an denen man Blumenkästen anbringen kann. Das Blühen biete etwas fürs Auge, und man verbessere das Pollenangebot, sagt er.

Schon kleine Flächen helfen

In kleinen Schritten das Angebot an Blumen in der Natur erweitern: Das ist dem Naturpark-Chef wichtig. „Manche Wildbienen-Arten können nur wenige Meter fliegen“, sagt Dietmar Gretter. Gerade denen komme es entgegen, wenn es immer wieder kleinere Flächen gibt. Er spricht von Trittsteinen, von denen aus die Insekten weiterfliegen. Beim Forum „Blühender Naturpark“, das diesen Freitag, 15. März, um 10 Uhr im Naturparkzentrum an der Ehmetsklinge bei Zaberfeld beginnt, geht es es unter anderem um die ökologische Bedeutung von Wildblumenwiesen.

Die Gemeinde Offenau beteiligt sich am Nabu-Projekt „Natur nah dran“, mit dem die biologische Vielfalt im Siedlungsraum gefördert werden soll. Ziel des Naturschutzbunds ist es, Städte und Gemeinden dabei zu unterstützen, Flächen in artenreiche Blumenwiesen oder blühende Wildstaudensäume umzuwandeln. Die Stadt Eppingen hat vergangenes Jahr ein Artenschutzprogramm auf den Weg gebracht, um blühende Streifen und Flächen auf offener Flur in neue Lebensräume insbesondere für Insekten zu verwandeln. Mit 20 000 Euro werden Landwirte dabei unterstützt, Blühstreifen anzulegen.

Das tut Öhringen

Ähnlich handelt die Stadt Öhringen, die ein eigenes Ackerrandstreifenprogramm verfolgt. Damit würden die Bauern nicht nur den Insekten helfen, diese Flächen seien auch „optisch ein Hingucker“, sagt Rathaussprecher Michael Walter. Zudem will die Stadt, die Biotope miteinander vernetzen. Auch Streuobstbestände sollen erhalten bleiben, um Insekten wichtige Nahrungsräume zu bieten.

„Noch in diesem Jahr soll zum Beispiel im Stadtteil Baumerlenbach eine Bienenweide geschaffen und ehrenamtlich gepflegt werden“, betont der Sprecher. Die Stadt stellt für diese Projekte dieses Jahr 60 000 Euro zur Verfügung.

Bad Rappenau engagiert sich ebenfalls

Bad Rappenau hat vergangenes Jahr auf einer Fläche von gut zwei Hektar Blumenwiesen angelegt. Dieses Jahr kommen weitere Gebiete hinzu, sodass es am Ende gut 50 Flächen sind. Zurzeit seien die Bauhofmitarbeiter dabei, alles vorzubereiten, sagt Rathaussprecherin Eva Goldfuß-Sied

 

l. Die Ausaat erfolgt Ende März oder Anfang April. Die Flächen lägen überwiegend in der Kernstadt.

„Je nach Standort kommen verschiedene Saatmischungen zum Einsatz, teilweise auch mehrjährigen Blumen“, betont sie. Bei der bisherigen Ausrichtung soll es nach Ansicht des Rathauses nicht bleiben: „Nach und nach sollen die Flächen erweitert werden.“ Das ganze Jahr über würden verschiedene Blumen auf den Flächen blühen, was den Insekten helfe. „Aber auch viele Vögel kann man in den Blumenwiesen beobachten.“

Die Buga rückt die Biene in den Mittelpunkt

Auf der Bundesgartenschau in Heilbronn geht es in einem der Gartenkabinette im Inzwischenland um das Thema Bienen. „Hier können die Besucher über Kopfhörer den Tönen aus einer Beute, also einem Bienenstock, lauschen“, sagt Pressereferentin Doris Keicher. „In diesem Bienengarten wurden verschiedene Bäume angepflanzt, deren Blüten besonders anziehend auf Bienen wirken.“ Dazu gehören eine Stinkesche, der auch Tausendblütenbaum genannt wird.

Außerdem hat die Buga einen speziellen Bereich als Lebensraum für Eidechsen geschaffen – das Gelände ist sonnig, es befinden sich darin wärmespeichernde Steinen. Dort sei eine Grasmischung gesät worden, die Insekten und damit die Nahrung für die Eidechsen anzieht. Das Biotop Neckarufer am Holzsteg in Richtung Wohlgelegen sei so natürlich angelegt, dass kaum auffällt, dass dieser Bereich überhaupt aktiv angelegt wurde und nicht von selbst so natürlich wächst. „Es kommt also sehr naturbelassen daher.“


Anmeldung zum Forum

Kurzentschlossene können noch am Forum Blühender Naturpark teilnehmen, das am Freitag, 15. März, um 10 Uhr im Naturparkzentrum in Zaberfeld stattfindet. Eine Anmeldung wird erbeten: Telefon 07046 884815 oder E-Mail mail@naturpark-stromberg-heuchelberg.de.

2019-03-14T10:17:24+01:00