2019-08-10 // 09:44 Uhr // Heilbronn // Von Christian Klose

Talkrunde auf der Buga: Landschaftsarchitekten fordern, die Veränderungen des Wetters stärker beim Bauen und in der Architektur zu berücksichtigen.

Landschaftsarchitekten planen in langen Zeiträumen, in bis zu 25 Jahren. Das macht die Aufgabe in Zeiten des Klimawandels nicht einfacher. Denn, wer weiß schon, wie es mit den Auswirkungen von Hitze, Unwettern und Dürre weitergeht? Daniel Schönle, Architekt und Stadtplaner aus Stuttgart, stellte bei einer Talkrunde auf der Buga ganz nüchtern fest: „Das wird jetzt einfach normal und muss jetzt in der Planung enthalten sein.“

Dass sich das Klima verändert, das stand am Donnerstagabend beim Talk „Landschaftsarchitektur ist cool“ im Schaugarten des Bunds Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLa) nicht zur Diskussion. „Der Klimawandel existiert, die Frage ist nur, wie die Landschaftsarchitektur damit umgehen kann?“, führte Moderator Tobias Bücklein ein. Landschaftsarchitekten würden von Haus aus interdisziplinär arbeiten. Was bedeutet das für die Städte, für Freiräume, für Parks, aber auch für die Architektur? Erst in den vergangenen drei, vier Jahren nehme die Öffentlichkeit den Klimawandel und seine spürbaren Folgen wirklich bewusst wahr.

Eine Herausforderung und ein notwendiger Trend

„Langsam kommt das bei den Leuten an, denn lange waren ihnen die Zusammenhänge nicht klar. Wir haben aber schon vor zehn Jahren davon erzählt“, sagte Dieter Grau, Freier Landschaftsarchitekt und Mitgesellschafter des Ramboll Studios Dreiseitl aus Überlingen. Das große Thema heißt: Wie kriegen wir das in unseren komplexen Städten hin? Für Experte Grau ist klar, dass dies − auch wegen der Nachverdichtung der Städte − nur mit guten interdisziplinären Teams gehe. „Es ist eine Herausforderung und ein notwendiger Trend. Da haben Landschaftsarchitekten aber viel zu bieten.“

Die Firma Birco aus Baden-Baden hat im Bereich Entwässerungssysteme langjährige Erfahrung. Firmensprecher Hans-Jürgen Röcker betonte aber, dass es neben der Funktionalität der Systeme auch noch immer darauf ankomme, dass diese in die Gestaltung der geplanten Projekte passe.

In neuen Kategorien denken 

Architekt und Stadtplaner Daniel Schönle vom Büro hp4 warf auch einen kritischen Blick auf die Branche: „Wir denken immer noch in den alten Kategorien. Wir dürfen die Themen nicht pauschalisieren, das bringt uns nicht weiter. Wir sollten sehr sachlich über neue Architektur nachdenken und versuchen, die Kreisläufe immer besser zu verstehen.“ Derzeit sei man noch in der Phase des Ausprobierens und Herleitens: Um zum Beispiel berechnen zu können, wie groß die Wassermengen sind, die an einem Haus bei Starkregen entstehen. Einer der wichtigsten Aspekte dabei: Wie schafft man es künftig, Regenwasser in den Städten zu halten und sinnvoll zu nutzen? Landschaftsarchitekt Grau hat in diesem Zusammenhang den Begriff „Schwammstadt“ genannt, also eine urbane Stadt, die Regenwasser wie ein Schwamm aufsaugt und langsam wieder an die Umgebung abgibt − mit mikroklimatischen Effekten.

Eine wichtige Rolle spielt die Energiegewinnung

Die Realität sehe aktuell aber ganz anders aus. Der Experte aus Überlingen hat diesen Sommer schon miterlebt, dass der Bodensee als Trinkwasser-Reservoir wegen der Dürre schon an seine Grenzen gestoßen ist. „Wir sind an Punkten angekommen, die wir bisher immer nur mit Drittländern in Verbindung gebracht haben“, so Grau.

Für Stadtplaner Schönle ist klar: Man müsse die Stadt in Zukunft als produktive Fläche sehen und Planungsprozesse in langen Zyklen denken. Dabei spiele auch die Energiegewinnung eine wichtige Rolle.