2019-07-03 // 09:15 Uhr // Heilbronn // Von Christian Klose

Die extra für die Buga georderten Velotaxis sollen auch im kommenden Jahr noch in der Stadt fahren. Doch die umweltfreundlichen Transportmittel hatten Anlaufschwierigkeiten.

Ein Angebot während der Buga kommt immer mehr ins Rollen. Seit dem 17. April gibt es auch in Heilbronn Velotaxis. Anlaufschwierigkeiten waren da, doch so langsam haben Buga-Besucher und auch Heilbronner die umweltfreundlichen Taxis, mit denen man mitten durch die Stadt fahren kann, schätzen gelernt.

„Das Thema hat in Heilbronn schon eine gewisse Komplexität, weil Heilbronn im Gegensatz zum Beispiel zu Berlin ja eine relativ kleine Stadt ist“, sagt Golo Kohl von Velotaxi Heilbronn, der langfristig dennoch zuversichtlich ist. Denn: Die länglichen Räder, in denen neben dem Fahrer zwei Gäste hinten Platz nehmen können, soll es auch nach der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn geben. „Es ist schon der Plan, dass wir auch im nächsten Jahr Fahrzeuge in Heilbronn haben wollen. Wir glauben, dass drei bis fünf Fahrzeuge hier dauerhaft tragfähig sind“, kündigt auch Carina Heinz, Geschäftsführerin von Velotaxi Deutschland, an.

Kurzstrecken und Sondertouren

Die Kurzstrecke bis zu 500 Meter, also zum Beispiel vom Hauptbahnhof zur Buga, kostet drei Euro. Der erste Kilometer grundsätzlich kostet fünf Euro, jeder weitere drei. Wer ein Velotaxi vorbestellt, muss dafür drei Euro bezahlen. Es gibt aber auch Stadttouren, eine radelnde Sightseeingtour durch Heilbronn. Die längste, 45 Minuten, kostet 28 Euro − individuelle Geheimtipps inbegriffen. Denn mit dem Velotaxi kommt man fast überall hin.

Golo Kohl ist in Stuttgart geboren, wuchs im Remstal auf, lebt aber schon seit 34 Jahren in Berlin. Durch die Anfrage der Heilbronn Marketing GmbH (HMG) für die Buga 2019 hat es den Wahl-Berliner wieder in den Südwesten befördert. Und er ist von Heilbronn total angetan. „Das ist alles so schnuckelig hier, und zum Beispiel die Neckarmeile wirkt auf mich komplett mediterran. Das ist wie Urlaub“, sagt Kohl. Die Stadt sei nicht wirklich schön. „Das ist aber auch leicht zu erklären, wenn man das mit der großen Zerstörung weiß.“ Deshalb steuert er bei Touren, wenn es irgendwie geht, auch immer die Ehrenhalle am Rathaus an, um den Gästen zu zeigen, wie Heilbronn früher ausgesehen hat. „Die Gäste sollen nach einer Fahrt mit uns auch etwas mitnehmen“, sagt Kohl, der inzwischen einiges über die Käthchenstadt zu erzählen weiß. „Und ich selbst bin begeistert, wie sich die Stadt hier auch wegen der Buga entwickelt.“

Weniger Kunden als erwartet

Für die Velotaxi-Fahrer habe sich die Buga vom Kundenaufkommen allerdings nicht in dem Maß entwickelt, wie sie sich das erhofft hatten. Die Gäste von auswärts seien eher „sparsam“. Allerdings komme der radelnde Service immer mehr bei Einheimischen an. Die größte Herausforderung anfangs war, engagierte Fahrer zu finden. Diese sind in der Regel selbstständig und geben einen Teil ihrer Einnahmen als Abschlag an Velotaxi ab. Wenn sie eigene Touren kreieren, dürfen sie 100 Prozent behalten. Denn die Haupteinnahmequelle für Velotaxi selbst sind nicht die Fahrten an sich, sondern die Werbung auf den Rädern, die − im besten Fall − ständig durch die Gegend kurvt und dadurch gesehen wird. Das ist das Geschäftsmodell.

Und deshalb wächst Velotaxi nach Angaben von Carina Heinz kontinuierlich. Nicht nur in Metropolen wie Berlin. Auch Erfurt und Mannheim stehen beispielsweise schon in den Startlöchern. In Heilbronn kann man die Taxis von 10 bis 20 Uhr per Handzeichen ordern, oder per Telefon. Von 13 bis 17 Uhr ist die gesamte Flotte am Eingang der Buga stationiert, um Besucher gratis in die Stadt zu fahren: Hier arbeiten die von der HMG beauftragten Velotaxi-Fahrer auch mit den Innenstadthändlern der Stadtinitiative Heilbronn zusammen. Und vormittags liefern sie inzwischen auch Waren für Händler und andere Unternehmen aus.

Die Velotaxis sollen bleiben

In diesem Bereich sieht auch die Velotaxi-Geschäftsführerin aus Berlin künftig Potenzial für Fahrzeuge in Heilbronn über das Bundesgartenschau-Jahr hinaus. „Da hat Heilbronn ein super Potenzial“, so Heinz weiter. Das sieht auch der 54-jährige Golo Kohl so: „Als Shuttle-Service für Firmen, für die wachsende Zahl an Hotels oder eben für die Geschäfte ist da sicher vieles noch möglich in Heilbronn.“ Der Vorteil: Die länglichen, teils mit Elektromotor und Muskelkraft betriebenen Räder dürfen nicht nur auf der Straße, sondern auch auf Gehwegen fahren. Die Velotaxis könnten also ein dauerhaft laufendes Geschäftsmodell in Heilbronn werden.

Kontakt zum Velotaxi: Wer ein Velotaxi rufen möchte, kann dies unter der Telefon 0176 34205855 tun.