2019-08-31 // 17:08 Uhr // Heilbronn // Von Helmut Buchholz

Ein Laubbläser mischt sich akustisch mit dem fleißigen Geklapper von vielen Akkugartenscheren. Auf dem Ausstellungsfeld Grabgestaltung und Denkmal gleich nach dem Buga-Eingang am Europaplatz geht es am Wochenende zu wie in einem Ameisenhaufen. Gärtner aus ganz Deutschland knien vor 67 Mustergräbern und gestalten sie herbstlich. Eine Fachjury prämiert später die schönsten Kreationen mit Medaillen und Preisen.

Der Trend geht zu wassersparenden Pflanzen

Die Gräber gehören wie bei fast jeder Gartenschau zu den attraktivsten und beliebtesten Bereichen. Besucher schauen den Gärtnern über die Schulter, holen sich Tipps ab. Andreas Gebhard liebt diese Atmosphäre. „Das hat schon was, man kommt mit den Leuten ins Gespräch“, sagt der Gärtner aus Eppingen-Richen. „Und das ganze ist auch ein Anreiz, man sieht, wo man steht.“ Schon im Juni 2018 haben die Gärtner Gräber und Grabsteine zugelost bekommen, inklusive Foto davon. Seitdem machen sie sich Gedanken, wie sie die Aufgabe lösen sollen. Gebhard hat eine Art Hünengrab erhalten, der Stein steht auf schmalen Füßen, sieht aus wie ein Tisch. „Wenn ich da jetzt eine Riesenbepflanzung drumherum machen würde, wirkt der ganze Stein nicht mehr so.“ Der Richener hat sich für Rebhuhnbeere entschieden, die gut zu schattigen Waldplätzen passen würde. „Man könnte jetzt sagen, man macht einen Steingarten zu dem Grabstein. Aber das mache ich nicht.“ Steingärten, das hört man bei jedem Gärtner, gehen gar nicht. Der neue Trend widerspricht so ziemlich allem, wofür die Berufe mit grünem Daumen stehen.

Was ist die Kunst bei der Grabgestaltung? „Die Bepflanzung muss zum Grabstein passen“, antwortet Gebhard. Fantasie, Können und Erfahrung sind gefragt. Allgemein gehe der Trend zu wassersparenden Pflanzen. „Denn viele Leute haben nicht mehr die Zeit zum Gießen.“ Gebhard rät zum Beispiel zu Seedum und Dachwurz.

Der Wettbewerb ist ein Elitewettkampf

Roland Prüße ist mit seinen Kollegen aus dem Betrieb Arnholz-Prüße aus Westfalen angereist. Er hat einen schmalen Grabstein zugelost bekommen, der das Zusammenspiel von weiblicher und männlicher Energie symbolisieren soll. „Ich habe die Grabbepflanzung in zwei Teile eingeteilt: rechts weiblich und links männlich“, sagt der Gärtner. Auch bei der Auswahl der Gehölze geht es nach Geschlecht. Links eine filigrane – männliche – Eiche, rechts eine hellere – weibliche – Buche. Die Bodendecker nehmen das Thema ebenso auf. Die Fiederpolster bilden ein „S“, vereinigen sich am Ende des Grabfeldes. Prüße lobt ebenso die lockere Atmosphäre unter Kollegen und Besuchern. „Viele Gärtner waren schon bei einigen Gartenschauen dabei, da sind richtige Freundschaften entstanden.“

Der Wettbewerb der Friedhofsgärtner kann als Elitewettkampf bezeichnet werden. „Wer hier gewinnt, gehört zu den Besten Deutschlands“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises Ausstellung und Gestaltung im Bund deutscher Friedhofsgärtner, Norbert Walz. „Wir sind trotzdem eine große Familie, jeder hilft jedem.“ Jeder Kollege habe 2000 Pflanzen dabei, wovon letztendlich nur 200 zum Einsatz kommen. Vorsitzender Thomas Seppelfricke verweist auf die hohe Fertigkeit, die Friedhofsgärtner haben müssen. Norbert Walz: „Wir sind feinere Garten- und Landschaftbauer. Wir machen auf zwei Quadratmetern, was andere im größeren Garten tun.“

Gärtnerpreise auf der Buga

Die Gärtner können bei der Buga etliche Medaillen und Preise einheimsen. Nicht nur bei der Herbstbepflanzung, sondern zuvor schon beim Frühjahrs- und Sommerflor. Am Ende bestimmt eine Fachjury aus allen drei Wettkämpfen die besten Gärtner. Mehr Informationen und Beispiele finden sich auf der Internetseite www.buga-graeber.de. Die Branche der Friedhofsgärtner steht schon länger unter Druck und muss sich zur Decke strecken, unter anderem durch den Trend zu Friedwäldern und (anonymen) Urnenbestattungen.