2019-08-11 // 13:45 Uhr // Heilbronn // Von Helmut Buchholz

Heilbronns Schweizer Partnerstadt Solothurn stellt sich auf der Bundesgartenschau vor. Ein plötzliches Gewitter sorgt für einen ganz besonderen Buga-Moment, an dem Oberbürgermeister Harry Mergel großen Anteil hat.

Das ist wieder einer dieser Momente bei der Bundesgartenschau, die noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Gänsehautstimmung im Holzpavillon: Als sich am Freitagabend eine heftige Gewitterzelle über dem Buga-Gelände entlädt, strömen hunderte Besucher, die am Karlssee auf die Wasserspiele warteten, unter das schützende Dach des Pavillons. Hier sind aber schon fast alle Plätze voll besetzt mit mehreren hundert Gästen bei der Eröffnung der Solothurner Tage auf der Buga. Heilbronns Schweizer Partnerstadt will sich mit einem Kulturprogramm vorstellen. Doch als Schriftsteller Franco Supino gerade aus seinem Buch mit dem passenden Titel „Solothurn liegt am Meer“ vorlesen will, treibt das Gewitter regelrechte Regensalven durch die Publikumsreihen, begleitet von spitzen Aufschreien.

In dem Gewitter entsteht Gänsehautstimmung

Was dann passiert, erinnert an das legendäre Woodstock-Konzert vor 50 Jahren: Statt sich dem Frust über das miese Wetter hinzugeben, spielt plötzlich auf der Bühne das Siegfried-Liebl-Trio aus der Region Heilbronn die Melodie zu „Singing in the Rain“ auf. Oberbürgermeister Harry Mergel schnappt sich das Mikro und singt den Song, der aus einem ins Wasser gefallenen Kulturprogramm so etwas wie ein spontanes Wohlfühlkonzert macht. Es sind mittlerweile unzählig viele Menschen, die dicht an dicht vor der Bühne sitzen und stehen, sich mit ihren Körpern gegenseitig vor dem Regen schützen und fröhlich mitsingen. Der OB bekommt kräftigen Applaus, viele tanzen mit, als Mergel „Über den Wolken…“ anstimmt, gefolgt von „Heute hier, morgen da…“ Einfach wunderbar. Als das Gewitter abklingt und die Wasserspiele dann doch kurz vor 22 Uhr beginnen, ist kaum einer von den Unbilden der Witterung genervt, sondern eher entspannt. Die Buga hat eine erstaunliche Wirkung auf Menschen.

Schade nur, dass der Regen der Lichtinstallation des Schweizer Land-Art-Künstler Ulrich Studer ein Ende bereitete, bevor sie so richtig zu Geltung kommen konnte. Der Künstler hatte mit 150 Helfern aus Heilbronn und der Schweiz 6500 Kerzen auf dem Buga-Gelände platziert und angezündet – vor allem am Karlssee und am Alt-Arm des Neckars. Der Titel der Installation stammt von einem Hölderlin-Wort: „Denn keiner trägt das Leben allein.“ Jedes Licht erinnerte an die rund 6500 Toten, die der verheerende Bombenangriff im Dezember 1944 auf Heilbronn forderte. Für Studer ist aber die Buga ein Zeichen der Zuversicht, der Wiederaufbau einer Industriebrache markiert für ihn einen Neubeginn.

Sechs Ehen sind aus der Städtepartnerschaft hervorgegangen

OB Mergel hatte zuvor bei einem Empfang im Buga-Pavillon des Garten- und Landschaftsbauverbandes unterstrichen, dass die Städtepartnerschaft mit Solothurn wohl die intensivste ist, die Heilbronn habe. Die Schweizer Stadt spendierte etwa 300 Portionen ihrer traditionellen Solothurner Weinsuppe. Eine Reminiszenz an die Anfänge der Verbindung in den 1920er Jahren, als die Solothurner die Not der Heilbronner nach dem Krieg mit einer Suppenküche linderten. Warum die Schweizer ausgerechnet Heilbronn für ihre Hilfsaktion aussuchten? „Die Ehefrau des Heilbronner Gaswerkchefs kam aus Solothurn, ebenso ein Zahnarzt“, erklärte Mergel.

Damals wie heute: „Es liegt immer an den Menschen, wenn eine Städtepartnerschaft so gut funktioniert“, betonte der Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri am Rande des Suppenempfangs. Nicht nur, dass zahlreiche Vereine aus Heilbronn und Solothurn Kontakte pflegen. Mindestens sechs Ehen seien aus der Heilbronn-Solothurn-Konnexion schon hervorgegangen, versicherte Fluri, und fügte an: „Ich behaupte sogar, dass diese Partnerschaft auch ganz ohne Behörden funktionieren würde.“

Stimmen über eine Ehe zwischen zwei Städten

Felix von Sury hat geholfen, die 6500 Kerzen auf dem Buga-Gelände aufzustellen. Sein Eindruck: „Die Partnerschaft ist sehr herzlich. Die Heilbronner sind ja noch eifriger als die Schweizer.“ Heinz Flück ist Gemeinderat der Grünen in Solothurn. Er nennt die Städteehe mit Heilbronn „unkompliziert“. Dass sie so gut funktioniert, „liegt sicher auch an den Verantwortlichen, die sie aufrecht erhalten“.

Kurt Scheffler war Vorsitzender der TG Heilbronn. Besonders die Handball-Abteilung habe viele Kontakte nach Solothurn unterhalten. „Es gab gegenseitige Besuche.“ Das sei zwar heute vorbei, aber dafür seien andere Kontakte entstanden. Scheffler: „Es hängt immer an handelnden Personen.“

Das Heilbronner Fußball-Urgestein Günter Major freut sich schon auf das gemeinsame Kickerturnier im Oktober, bei dem Solothurn Favorit sei. „Die Verbindung ist eng. Aber wenn wir Fußball spielen, ist Feuer unterm Dach.“