Wie die Buga kreative Köpfe inspiriert

2018-11-01 // 10:00:00 Uhr // Region Heilbronn // Von Steffan Maurhoff

Vom Schokoladen-Gartenzwerg bis zum Mitmach-Tanz: Die Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn hat bei vielen Menschen in der Region kreative Prozesse in Gang gesetzt.

Seit Karl das Licht der Welt erblickte, ist er ganz schön rumgekommen. In Norwegen war er, er erklomm die Bergwelt der Heilbronner Hütte, und bei einer Stippvisite in London drehte er nicht nur eine Runde im London-Eye-Riesenrad, sondern machte auch ein Selfie mit der Queen – auf Augenhöhe: Gartenzwerg Karl mit seiner knuffigen Blume und Ihre Königliche Hoheit mit huldvoller Winke-Hand. Zu bewundern auf der Selfie-Wall der Bundesgartenschau-Homepage.

So sieht der Kakao-Karl aus. Foto: Christiana Kunz

„Es ist verrückt, was die Leute da alles einstellen“, sagt Buga-Sprecherin Suse Bucher-Pinell und lacht. Mitzumachen ist leicht. Kann man doch die Datei für das Maskottchen downloaden und es per 3D-Drucker ausdrucken – sofern man einen hat.

Karl aus Kakao

Karl macht auf allerlei Art eine gute Figur, sogar aus Schokolade. Die Heilbronner Konditorei Roth schuf ihn aus der leckeren Masse, genauer gesagt aus einer rötlichen Kakaobohne. „Es schmeckt fruchtig, leicht und trotzdem nach Schokolade“, schildert Bucher-Pinell Karls Auftritt auf der Zunge. Da Sympathie (um nicht zu sagen: Liebe) durch den Magen geht, schufen der Konditor auch eine Buga-Praline und die Bäckerei Mitterer ein Buga-Brot.

Die Gartenschau bringt offenbar die Kreativität mancher Menschen aus der Region zum Blühen. Musiker schreiben Buga-Songs, texten für Buga-Lieder. Von der Buga-Euphorie erfasst sind unter anderem die Singzwerge, ein Kinderchor für Drei- bis Sechsjährige, den das Haus der Familie Heilbronn ins Leben gerufen hat. „Die können noch Verstärkung gebrauchen“, sagt Bucher-Pinell. Anmeldungen für den Kurs, mit dem sich die Kids auf ihren Auftritt während der Gartenschau vorbereiten, sind noch möglich (Tel.: 07131/2769230). 

Zur Musik gehört auch Tanz. Die Heilbronner Gruppe Kunst 07 hat beim letzten Buga-Baustellenfest einen mitreißenden Mitmachtanz aufgeführt. „Das hat den Leuten sehr gefallen“, sagt Bucher-Pinell.

Song mit Ohrwurmcharakter

Dass Musik in der Buga steckt, haben deren Macher schon früh erkannt. Bei der Abschlussveranstaltung zur Internationalen Gartenausstellung in Berlin 2017 mischte auch eine Delegation aus Heilbronn mit – darunter Buga-Mitarbeiter Christian Schmierer, Mitglied der A-cappella-Gruppe Mundartmonika. „Die haben sich gleich in die Herzen der Berliner gesungen“, erzählt Bucher-Pinell. „Da kamen wir auf den Gedanken, einen Buga-Song zu machen.“ Das Ergebnis, so die Gartenschausprecherin, hat Ohrwurmcharakter. Präsentiert wurde das Lied zum Auftakt des Dauerkarten-Vorverkaufs. „Das ist unser offizieller Buga-Song“, sagt Bucher-Pinell, die auch weiß: „Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Lieder.“

 

 

Das begrüßt sie auch ausdrücklich: „Es ist toll, dass die Bundesgartenschau die Kreativität der Menschen beflügelt.“ Die Sprecherin wirbt jedoch um Verständnis, wenn nicht alle der guten Ideen von der Bundesgartenschau-GmbH aufgegriffen werden. In weniger als 200 Tagen vor dem Auftakt der Großveranstaltung läuft die Marketingmaschine auf Hochtouren – eben auch, was den offiziellen Buga-Song anbelangt. Bucher-Pinell: „Wir sind bereits bestens versorgt. Aber es ist natürlich schön, dass diese Begeisterung da ist.“

Eines war für Jan Jankeje aus Weinsberg schon vor Jahren klar: Wenn die Bundesgartenschau nach Heilbronn kommt, dann gibt es von dem Komponisten und Kontrabassisten ein Lied dazu. Unter den Musikern aus der Region ist er eine der schillerndsten Figuren, er stand schon mit Berühmtheiten wie Charly Antolini oder Ella Fitzgerald auf der Bühne. Mit seiner Band gab er bereits 1985 auf der Landesgartenschau in Heilbronn Konzerte, das musikalische Programm für die Bundesgartenschau in Stuttgart 1977 gestaltete er auch. Blühende Blumen lassen bei dem 68-Jährigen noch heute die Kreativität sprießen: „Ich habe ein Werbelied für die Bundesgartenschau komponiert“, sagt er, „ich fühle mich ihr verbunden.“

Der Song hat den Titel „Heilbronn – Hauptstadt der Blumen 2019“. Eigentlich sollte das Jankejes Beitrag für einen Musikwettbewerb rund um die Buga sein. Doch dann erfuhr der Weinsberger, dass ein solcher Wettbewerb gar nicht geplant war. Dass die A-cappella-Band Mundartmonika den offiziellen Song singt, nimmt er sportlich. „Das ist keine Konkurrenz“, sagt der Weinsberger über sein Werbelied.

 

 

1.000 professionell gemachte CDs hat er davon brennen lassen, die er verschenken und ab kommendem Frühjahr auch in diverse Radio-Studios bringen will. „Ich will der Bundesgartenschau helfen, dass die Leute kommen“, sagt Jankeje. Sein Wunsch: „Die Leute solle das überall spielen. Die Buga ist ja eine internationale Veranstaltung.“

Lobgesang auf die Bundesgartenschau

„Musik hat schon immer eine Rolle für mich gespielt“, sagt Alex Link aus Gundelsheim-Obergriesheim. Als er in Rente ging, rief der einstige Kranfahrer, Drucker und Fliesenleger einen Musikverlag ins Leben. Dass er damit auch die Buga unterstützen könnte, kam ihm schon früh in den Sinn. Für gleich mehrere Buga-Lieder wollte er einfallsreiche Texter und begabte Komponisten zusammenbringen. „Die Idee hatte ich schon lang“, sagt der 67-Jährige, der die Ergebnisse vielen Chören kostenlos überlässt, also „verschenkt“, wie Link sagt. „In keiner Buga gab es dieses Angebot.“

Ein Meilenstein auf dem Weg war die 1250-Jahr-Feier von Gundelsheim und Obergriesheim 2017. Dafür hatte Link einen Gedichtwettbewerb ausgeschrieben und 46.000 Flyer unters Volk gebracht. 700 Einsendungen aus ganz Deutschland kamen zurück. Unter den Wettbewerbsteilnehmern fischte er sich die besten heraus und forderte sie auf, Texte für die Buga zu schreiben. Mit den Musiklehrern Thomas Stapf aus Heilbronn und Siegfried Liebl aus Lauffen hatte Link Leute an der Hand, auf deren Können er schwört. „Das sind die besten“, sagt er und lobt die Arbeit der Komponisten. „Da sind manchmal Anklänge von Bach und Mozart dabei.“

Herausgekommen sind so unterschiedliche Titel wie der „Buga-Rap“, der Rock „Schäfers Frühling“ oder die vielstimmige „Schneckenjagd“. Auch Kinderlieder fehlen nicht. Für alle Werke sicherte Link sich die Rechte – und kann so beispielsweise für Schulchöre das Lied „Bundesgartenschau Heilbronn“ kostenlos anbieten. Von der Homepage des Gundelsheimer Musikverlags Choramo können Texte und Noten gratis heruntergeladen werden.

Da Link Ausschussmitglied im Chorverband Heilbronn ist, stellt er auch diesem Lieder zur Verfügung. Die Mitglieder eines extra ins Leben gerufenen Projektchors haben zwei Stücke einstudiert: „Frühlingsluft“ und „Mein Garten“. Diesem Chor gehören rund 100 Sängerinnen und Sänger an, die für ihre Heimatchöre ebenfalls Text und Noten für ein Lied gratis erhalten.

Alex Link versteht es als Kunst, auf diese Art neue Lieder zu machen. Indem er Texter und Komponisten zusammenbringt und das Ergebnis vielen Chören zur Verfügung stellt, tritt für Link die Verdienstabsicht in den Hintergrund: „Ich mache Kulturförderung. Ich fördere die Vereine.“

2018-11-05T11:44:18+00:00