Wird die Neckarbühne zu einer Schattenseite Heilbronns?

2018-04-16 12:36:24 // Heilbronn  //  Von Kilian Krauth

Die Neckarmeile blüht auf. Negative Randerscheinungen gibt es an der Neckarbühne, die eigentlich der City-Eingang von der Buga her werden soll. Dort gibt es Ärger mit der Trinker-Szene und lauten Feiern.

Endlich Frühling. Die Sonne scheint. Die Natur erwacht. Die Menschen zieht es ins Freie, zum Beispiel an die Heilbronner Neckarmeile. Vom Flair am Fluss sind alle hellauf begeistert. Es gibt aber auch Schattenseiten, zum Beispiel an der Neckarbühne.

„Ich könnte Ihnen viel erzählen“, sagt die nette Bedienung vom Lokal Stadtfischer, „aber das überlasse ich lieber meinem Chef“, namentlich Köksal Kilic. „Hinter dem grünen Wagen tanzen die Mäuse, abends wird dort wild gepinkelt“, berichtet der Gastronom.

„Wenn es jetzt wärmer wird, lässt sich die Trinker-Szene nieder.“ Ein „neues Phänomen“ nennt er Migranten, die ab und zu per Handy über große Verstärker zu Melodien ihrer Heimat „im Kreis Volkstänze aufführen und trommeln“.

2019 wird der Bereich für Heilbronn sehr wichtig sein

Die Wasserbühne am Altneckar und die dortige Treppenanlage hat die Stadt im Jahr 2010 für 1,2 Millionen Euro neu gestaltet: mit feinem Sandstein, Granitpflaster und Holzdielen. Auf den ersten Blick und vor allem bei Veranstaltungen mutet die Ecke richtig gelungen an. Doch beim genauer Hinsehen tun sich im Alltag Abgründe auf.

„Ich könnte Ihnen da Fotos und Videos zeigen“, sagt der 58-jährige Kilic, der das dann doch lieber bleiben lässt und den Blick nach vorne richtet. 2019 bildet der Bereich zwischen Wasserbühne und Stadtfischer eine Scharnierstelle zwischen Bundesgartenschau und Innenstadt.

Weinpavillon kommt vermutlich nicht rechtzeitig

Kilic hat das schon 2005 erkannt und wird seitdem nicht müde, die Ecke für „anständige Bürger“ zu beleben: mit seinem Freiluftlokal, mit Musikabenden, mit Brunch- und Grillaktionen. 2016 legte er der Stadt in Kooperation mit Mayer Catering aus Erligheim für die Wasserbühne ein Konzept für eine Schirmbar vor. Doch die Stadt setzte auf die benachbarte Waldhornschänke, inklusive grünem Ausschankwagen, deren Biergarten sich seitdem bis auf die Treppenanlage ausdehnen darf.

2017 wagte Kilic dann den großen Wurf: Mit dem Architekturbüro Mattes Riglewski legte er Pläne für einen Weinpavillon mit Außenbewirtschaftung vor, für die das Rathaus nun tatsächlich einen Bebauungsplan auf den Weg bringen will.

Doch wegen des engen Zeitfensters und weil die Investorenfrage noch nicht endgültig geklärt ist, dürfte das auch architektonisch reizvolle Eine-Million-Euro-Vorhaben nicht bis zur Buga realisiert sein. Und damit ist die Frage, wie diese Scharnierstalle zwischen Buga und City 2019 gestaltet und bespielt wird, wieder ziemlich offen.

Heilbronn Marketing organisiert Veranstaltungen auf der Bühne

Das Stadtplanungsamt verweist auf eine entsprechende Anfrage auf die Heilbronn Marketing GmbH (HMG), der die Stadt die Bespielung der Wasserbühne und der Terrassen übertragen hat. Deren Chef Steffen Schoch spricht von einem „wunderschönen Bereich mit sehr interessanter Gastronomie, besonderem Flair am Fluss und der imposanten Kulisse der Experimenta“.

Schoch weiß aber auch um die Schattenseiten. Ursprünglich sei die Stadt tatsächlich davon ausgegangen, dass sich die „Bühne von allein bespielt, aber dann kam das Obdachlosenproblem“. Inzwischen organisiere die HMG dort zwischen Ostern und Weindorf 40 Veranstaltungen mit ganz unterschiedlichem Profil.

Kommen neue Street-Food-Angebote?

2019 will die HMG die Ecke zusätzlich mit gastronomischen Angeboten beleben. Eine entsprechende Ausschreibung sei derzeit in Vorbereitung. So ist daran gedacht, dort drei bis vier Streetfood-Fahrzeuge mit zeitgemäßen Angeboten aufzustellen.

Zudem will Schoch die bestehenden Lokale ins Boot holen. „Alles muss natürlich Niveau haben und Qualität, am besten mit regionalem Bezug“: Denn schließlich wolle Heilbronn auswärtige Gäste bei deren Abstecher in die Innenstadt angemessen empfangen, sagt Schoch.

Neue Veranstaltungen für die Neckarmeile sind in Planung

Auch Gastro-Unternehmer Thomas Aurich, der die Neckarmeile vor 20 Jahren auf den Weg gebracht und inzwischen als Firma hat eintragen lassen, plant bereits für 2019. Er will an das legendäre Lichterfest anknüpfen und während der Buga von April bis Oktober den Altneckar mit Ufern und Brücken mit Lichtinstallationen effektvoll in Szene setzen.

Und: Mit dem für 17. bis 19. August 2018 erstmals zwischen Götzen- und Bollwerksturm organisierten „Internationalen Festival der Straßenzauberer“ will Aurich auch 2019 das Publikum „verzaubern“.

Ob dies im Buga-Jahr außerhalb solcher Veranstaltungen an der Drehscheibe zwischen Buga-Areal und City gelingt? Das muss sich noch zeigen.

2018-09-21T09:28:49+00:00